Clinical Environmental Medicine

Environmental Medicine (EM) is a discipline concerning the impact of environmental factors on individual health risks and common welfare. Clinical Environmental Medicine encompasses the medical care of persons with health complaints and medical findings which can be traced back to environmental factors. Read more about Clinical Environmental Medicine ...

Bild eines Zahns mit Amalgamfüllung

Die US-Behörde für Lebens- und Arzneimittel (FDA) hat eine neue Leitlinie zur Verwendung von Amalgamfüllungen herausgegeben. Die FDA empfiehlt unter anderem für Patienten mit neurologischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose, Alzheimer und Parkinson sowie Patienten mit Nierenschäden und Frauen mit Kinderwunsch keine Amalgam-Füllungen mehr zu verwenden.

Amalgamfüllungen bestehen zu 50% aus reinem Quecksilber und einer pulverförmigen Legierung aus Silber, Zinn und Kupfer und werden in den USA oft irreführenderweise „Silber-Füllungen“ genannt. Aus den Füllungen werden mit der Zeit geringe Mengen Quecksilberdampf freigesetzt.

„Während geringe eingeatmete Mengen für die meisten Menschen im Allgemeinen nicht schädlich sind, kann dies für vulnerable Personen und bei Personen, die eine eingeschränkte Fähigkeit haben, Quecksilber auszuscheiden, ein erhöhtes Gesundheitsrisiko bergen.“ so Dr. Jeffrey E. Shuren, Office Director der FDA. Wie viel Dampf freigesetzt wird hängt von Qualität und Alter der Füllung ab, sowie von Gewohnheiten wie Zähneknirschen, Kauen oder Zähneputzen.

Vorsorglich wird in den USA die Verwendung von quecksilberfreien Komposit- oder Glasionomerzementfüllungen für folgende Risikogruppe empfohlen:

  • Schwangere Frauen
  • Frauen mit Kinderwunsch
  • Stillende Frauen
  • Kinder, speziell im Alter unter sechs Jahren
  • Personen mit neurologischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose, Alzheimer oder Parkinson
  • Patienten mit beeinträchtigter Nierenfunktion
  • Personen mit bekannten Allergien gegen Quecksilber oder andere Bestandteile der Füllungen

Während niedrige Konzentrationen von eingeatmetem Quecksilberdampf im Allgemeinen für die meisten Menschen nicht schädlich sind, können (diese) Hochrisikopersonen ein erhöhtes Risiko für gesundheitliche Beeinträchtigungen haben. Es bestehen weiterhin Unsicherheiten in Bezug auf die Auswirkungen, die eine langfristige Exposition gegenüber Amalgam auf Risikogruppen haben kann; das Potenzial von Quecksilber, sich im Körper in andere Quecksilberverbindungen umzuwandel; und ob die Anreicherung von Quecksilber in einigen Körperflüssigkeiten und Geweben zu anderen unbeabsichtigten Gesundheitsfolgen führt.

Damit gehen die Empfehlungen der FDA mit der Ausdehnung der Risikogruppe deutlich über die Empfehlungen in Deutschland hinaus.

„Die Maßnahmen der FDA haben das Potential, Millionen und Abermillionen von Amerikanern vor Quecksilber im Mund zu schützen. Aber es gilt nun, dafür zu sorgen, dass die Empfehlungen auch umgesetzt werden“ so Charlie Brown, National Counsel von Consumers for Dental Choice und Präsident des Weltverbandes für quecksilberfreie Zahnmedizin, der mit seiner Kampagne maßgeblich zum Umdenken der FDA beigetragen hat.

In Europa ist die Verwendung von Amalgamfüllungen seit dem 1. Juli 2018 für Kinder bis 15 Jahre, schwangere und stillende Frauen verboten und die Europäische Kommission hat kürzlich geprüft, ob man auch generell auf Amalgam bis 2030 verzichten kann. Die Untersuchungen haben ergeben, dass ein Ausstieg sowohl technisch als auch wirtschaftlich machbar ist, woraufhin die Kommission für 2022 einen Gesetzgebungsvorschlag angekündigt hat.

In Österreich sind Amalgamfüllungen (laut Bundesministerium) seit 2019 bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion oder progressiven degenerativen Erkrankungen des peripheren oder zentralen Nervensystems nicht mehr indiziert.

Auch in Deutschland sollen Amalgamfüllungen (laut BfArM) seit 1997 nicht bei Patienten mit schweren Nierenschäden verwendet werden. Aber es gibt bislang keine Einigung auf eine quecksilberfreie Zukunft in der Zahnmedizin. Das Umweltministerium hat nur angekündigt, dass sie den bestehenden Plan zur weiteren Verringerung der Verwendung von Amalgam jährlich überarbeiten wird.

( Sep 2020)

Weiterführende Links

Dank unserer Pressearbeit hat das Ärzteblatt über die neue Leitline berichtet:

Der Beitrag wurde fast identisch auch bei der IG Umwelt-Zahnmedizin veröffentlicht: